3.1 Medikamente

2016 04 08 Medikamente bei Fibromyalgie               

Es gibt in Österreich und auch in Deutschland kein einziges Medikament, das beim Fibromyalgie Syndrom(FMS)  eine Zulassung hat. Es gibt aber natürlich Medikamente die bei FMS eingesetzt werden und teilweise helfen und somit eine Berechtigung haben. Wenn Sie natürlich den Beipackzettel lesen, werden Sie verwundert sein und sich sagen:
„Ich lasse mich doch nicht mit Psychopharmaka zudröhnen“.
Kein Arzt dröhnt Sie zu! Dass diese Medikamente Nebenwirkungen haben wo Sie sich zugedröhnt fühlen kommt vor. Ein Mittel der ersten Wahl ist das  Amitriptylin  (Saroten in Österreich und Tryptizol in Deutschland).

Amitriptylin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva, der in erster Linie zur Behandlung von Depressionen und zur langfristigen Schmerzbehandlung eingesetzt wird. Bei FMS ist die Dosis wesentlich geringer als bei Depressionen. Wichtig ist, sich nicht vor dem Medikament zu fürchten, sondern Kosten und Nutzen für einen selbst abzuwägen.
Oft höre ich; „ich brauche ein Schmerzmittel, ich habe ja Schmerzen, die Depressionen habe ich erst von den andauernden Schmerzen bekommen!“ Doch muss man wissen, dass gerade Psychopharmaka in das Schmerzgeschehen eingreifen und es so über „Umwege“ zu einer Schmerzreduzierung und einer Schmerzdistanzierung  kommen kann. Es gibt in anderen Ländern Medikamente bei FMS die dort eine Zulassung für FMS bekommen haben. Andere Länder, andere Sitten.

Folgende Medikamente haben in den USA eine Zulassung bei FMS:  

  • Milnacipran (Ixel  (A), Salvella (USA), Toledomin (Japan),  Joncia (Australien), Tivanyl (Mexiko), Dalcipran
  • Pregabalin (Lyrica)
  • Duloxetin (Cymbalta (EU),  Ariclaim (EU, CH) Yentreve (EU), Xeristar (EU), Duloxalta (EU)
     

Weitere Medikamente die unter ärztlicher Aufsicht „probiert“ werden können:

  • Gabapentin    (ist der Vorgänger von Lyrica)
  • Fluoxetin
  • Paroxetin
  • Tramadol        (Adamon (A), Amadol (D), Contramal (A), Cromatodol (A), Ecodolor (CH), Jutadol (D), Lanalget (A), Noax (A), Nobligan (A),
                            Tramal-long (D), Tradolan (A,S), Tradonal (CH), Tramagit (D), Tramal (D, A), Tramundin (D, CH), Travex (D), Ultram)

Nach den wissenschaftlichen AWMF Leitlinien 2012 für FMS werden folgende Medikamente in absteigender  Beurteilung empfohlen:
 

Offene Empfehlung – Medikamente

Keine positive oder negative Empfehlung möglich

Negative Empfehlung

Stark negative Empfehlung

Weitere einzelne, aber noch nicht vollkommen gesicherte Wirkungsnachweise gibt es aus der Gruppe der Antidepressiva für Sertralin, Moclobemid, Venlafaxin, Mirtazapin und Milnacipran.

 

Warum wirken Antidepressiva bei chronischen Schmerzen, beim Schlaf
und warum kann sich die Stimmung verbessern?

Wer jahrelang unter chronischen  Schmerzen leidet hat meistens auch Schlafstörungen. Bei FMS Patienten gehört es zum Krankheitsbild dazu unter nichterholsamen Schlaf sowie an Ein- und Durchschlafstörungen zu leiden. Das ist keine gute Spirale die sich in Gang setzt und nur schwer unterbunden werden kann. Gerade in der Tiefschlafphase erzeugt man Botenstoffe (Serotonin/Noradrenalin), die die Übertragung von Schmerzreizen stören. Antidepressiva heben die Konzentration dieser Botenstoffe und beeinflussen so die Stimmung, den Schlaf und schlussendlich das Schmerzempfinden.
Es dauert mehrere Wochen bis sie eine Verbesserung spüren. Anfangs kann es zu „Nebenwirkungen“  (Benommenheit, Schläfrigkeit, Mundtrockenheit) kommen, die aber auch wieder nachlassen können. Wichtig ist bleiben Sie mit Ihrem Arzt in Kontakt und schleichen Sie Ihre Medikamente immer aus bzw. brechen Sie auch nicht zu früh ab.
Vorab wird sich ihr Schlaf verbessern und erst nach einigen Wochen kann das Schmerzempfinden sich positiv verändern. Wichtig ist das Sie eine Tendenz empfinden das es besser wird. Sollten sich die Nebenwirkungen nicht einstellen ist ein Abbruch bzw. Medikamentenwechsel sinnvoll. Anders als bei Depression müssen Sie Antidepressiva in einer verhältnismässige kleineren Dosis einnehmen.

FAZIT : 

  • Medikamente alleine werden ihr umfangreiches Beschwerdebild nur mäßig verbessern – unumgänglich ist ein multimodales Behandlungskonzept. Auch wenn Sie Ihr Konzept gefunden haben ist es noch immer wahnsinnig schwer mit dieser Krankheit FMS zu leben. Sie müssen immer wieder einen ersten und neuen Schritt wagen.
  • Ich habe selbst alle Medikamente durch und nur – wenn überhaupt – kurz und mäßig Erfolg gehabt.
  • Im Nachhinein wäre es besser gewesen auf den Versuch zu verzichten und meinen Körper zu schonen! Aber wer weiß das schon im Vorhinein.
  • Jetzt nehme ich nur noch Dronabinol (medizinisches Cannabis).

Zwei Ärzte sagten zu mir, dass ich froh sein kann was mir mein Körper an Medikamenten schon verziehen hat!
Die Frage ist halt immer wieder, auch wenn ein Medikament hilft, wie lange kann ich es nehmen, damit es schlussendlich nicht mehr schadet als für einen kürzeren Zeitpunkt geholfen hat. Auf jedem Fall sollten Sie nach einigen Monaten oder Jahren

eventuell absetzen und schauen ob das Medikament überhaupt noch wirktl Natürlich immer mit Rücksprache Ihres Arztes oder Ihres Gewissens!